Glotzen & Schmökern

 

DVD

»FLCL - Vol.1«

SPV steigt jetzt auch in das Geschäft mit Anime-DVDs ein. Die japanischen Zeichentricks boomen ja schon seit Jahren und der Comic-Sektor lieferte ebenfalls erstaunliche Umsatzzuwächse. Nun find ich zwar einerseits den Stil der Trickies klasse, mag andererseits aber überhaupt nicht den Zeichen- und Erzählstil der gedruckten Werke. Da in Japan eh alles ein Konglomerat ist, wundert es auch kaum, daß es von »FLCL« eine Printversion (Furi Kuri) gibt. Jedenfalls ist es teilweise bitter nötig, daß sich mal 'ne deutsche Firma den vielen Streifen annimmt und mit deutscher Synchro versieht. Im Original mit Untertiteln ist nämlich ganz schön belastend.

Die Macher von »FLCL« haben mit »Neon Genesis Evangelion« einen wahren Klassiker gheschaffen, weswegen »FLCL« natürlich mit großer Erwartungshaltung zu betrachten ist. Angelegt ist die DVD auf drei Teile mit wohl jeweils 2 Episoden. Nach dem Anschauen der ersten beiden Episoden mutet »FLCL« allerdings ein wenig fragezeichenmäßig an. Jedenfalls finde ich die Story merkwürdig und die Charaktere sind teilweise auch recht merkwürdig. Da wäre die interstellare (?) "Polizistin" Haruko, die ziemlich durchgedreht Aufgaben oder Pläne verfolgt, die mehr oder weniger nur zu erahnen sind. Wenn die mit ihrem offensichtlich nicht auf dieser Welt getunetem Roller Sachen anstellt, die unmöglich erscheinen, okay. Aber warum der kleine Hauptdarsteller Naoto ohne Schaden zu nehmen angefahren bzw. überfahren, durch die Luft geschmissen und mit einer Gitarre wie mit einem Baseballschläger vor die Omme gehauen werden kann, ist Null schlüssig! Superman ist Naoto nicht. Aber im Prinzip wohl der einzig vernünftige. Vater und Großvater werden als äußerst dubiose Figuren dargestellt und die Ex von seinem Bruder, der älter ist und nach Amiland gezogen, hängt dauernd mit dem Kleinen ab. Warum? Wozu? Und die Klassenkameraden, angebliche Freunde bzw. Clique von Naoto, werden zumindest in den ersten beiden Folgen so gut wie nicht thematisiert. Aber auch der Ort scheint merkwürdig, in dem die Geschehnisse spielen. In der Stadt ist eine Fabrik gebaut worden, die jeden Tag zur selben Zeit eine weiße Wolke freisetzt. Zudem sieht das Design etwas merkwürdig aus und die Größenordnung ebenfalls. Angeblich irgendwas medizinisches wird da hergestellt. Klar finden es die Stadtbewohner nicht auffällig, daß es überhaupt keine Eingänge gibt. Kein gar nichts laut Haruko und natürlich läßt man sich auch die Wolke jeden Tag gefallen - ganz normales Leben, es passiert gar nichts in der Stadt... Das wirkt alles an den Haaren herbeigezogen und ein typischer Schnellschuß japanischer Massencomic-Unterhaltung - lesen wegwerfen und vergessen mit dem nächsten Manga... Nur ist er eben von den Schöpfern von »Neon...«, was impliziert, daß auch geniale Storyschreiber mal komplette Aussetzer haben. Und auf der anderen, daß es ja gut sein muß. Und so scheint ein komplett kritikloses Publikum jeden Furz von Gainax/Prod I.G. abzufeiern.

Mir ist die Story wesentlich zu übertrieben wirr und von der "radikalen Bildsprache" und der "unkonventionellen Verwendung von Zeichen- und auch Filmstilen" bin ich ebenfalls nicht sonderlich angetan. Teilweise nähert sich der Trickie dem Comic an und da ich letzteren Stil nicht mag... Da bleibe ich dan Verfechter der klassischen Schiene (auf der DVD ist ein Werbetrailer zum Klassiker »Record of Lodoss War«, worauf ich mich wesentlich mehr freue als auf eine Fortsetzung von »FLCL«). Aber Story... Haruko schlägt Naoto mit 'ner Art Gitarre vor die Omme und dem Wachsen daraufhin Roboter aus dem Schädel, die sich dann gegenseitig bekämpfen und Haruko wiederum bekämpft die Roboter... Der Rest ist dann nur Staffage, um eine krude Idee halbwegs präsentieren zu können. Vielleicht erschließt sich ja der Sinn dieser äußerst dubiosen und völlig realitätsabwegigen Idee, wenn der Letzte Vorhang der Serie gefallen ist...

Oje